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<title>Kemanak</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Kemanak</span></h1>
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<p><b>Kemanak</b>, auch <i>gumanak, kenawak</i> (<a href="Malaiische_Sprache" title="Malaiische Sprache">indonesisch</a>), ist ein in wenigen Ensembletypen (<i><a href="Gamelan" title="Gamelan">gamelan</a></i>) auf den <a href="Indonesien" title="Indonesien">indonesischen</a> Inseln <a href="Java_(Insel)" title="Java (Insel)">Java</a> und <a href="Bali" title="Bali">Bali</a> gespieltes Aufschlag<a href="Idiophon" title="Idiophon">idiophon</a>, das aus einem an den Längsseiten eingerollten Metallstreifen besteht. Daraus ergibt sich eine geschlitzte Röhre, die an einem gebogenen Handgriff gehalten wird. Die <a href="L%C3%B6ffel_(Musikinstrument)" title="Löffel (Musikinstrument)">löffelartigen</a> Perkussionsinstrumente werden auf Java mit einem mit Stoff umwickelten Holzstöckchen geschlagen, auf Bali mit einem dünnen Metallstab. Zwei Musiker spielen jeweils abwechselnd ein <i>kemanak</i>, um die kürzesten Einheiten des Taktzyklus zu markieren. Kompositionen mit einem von <i>kemanak</i> strukturierten, festgelegten Zeitmaß heißen <i>gendhing kemanak</i>. Auf Java wird das bananenförmig gekrümmte <i>kemanak</i> in einem <i>gamelan</i> zur Begleitung der höfischen Tanzstile <i>bedhaya</i> und <i>serimpi</i> verwendet und auf Bali gehört das kürzere, gerade <i>gumanak</i> zum altehrwürdigen <i>gamelan gambuh</i>.
</p><p>Der Name ist seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesen, Reliefabbildungen von <i>kemanak</i> sind ab dem 14. Jahrhundert an ostjavanischen <a href="Hindutempel" title="Hindutempel">Hindutempeln</a> überliefert. <a href="Idiophon" title="Idiophon">Idiophone</a> aus <a href="Bronze" title="Bronze">Bronze</a> und vielleicht auch solche vom <i>kemanak</i>-Typ gibt es auf Java seit vorchristlicher Zeit.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft">Herkunft</h2></div>

<p>Die frühesten Schlaginstrumente waren paarweise zusammengeschlagene Idiophone aus Stein oder Holz (<a href="Klapper" title="Klapper">Klappern</a>) ähnlicher Größe oder selbstklingende Körper, die mit einem anderen, nicht klingenden Gegenstand angeschlagen werden (<a href="Schlagbalken" title="Schlagbalken">Schlagbalken</a>). Gegenschlagstäbe in den Händen von Tänzerinnen sind um 3000 v. Chr. auf <a href="Pr%C3%A4dynastik_(%C3%84gypten)" class="mw-redirect" title="Prädynastik (Ägypten)">prädynastischen</a> ägyptischen Vasen abgebildet, Klappern sind seit dieser Zeit als archäologische Funde aus <a href="Mesopotamien" title="Mesopotamien">Mesopotamien</a> erhalten. Im bronzezeitlichen <a href="Babylonien" title="Babylonien">Babylonien</a> (vor 2000 v. Chr.) gab es stets paarweise gefundene, flach gekrümmte Klappern oder <a href="Zimbel" title="Zimbel">Zimbeln</a> aus Holz oder Bronze, manche mit einem hölzernen Handgriff.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die bis heute in ganz Südostasien weit verbreiteten Musikinstrumente aus Bambus (Aufschlagidiophone, <a href="Rassel" title="Rassel">Rasseln</a>, Röhren<a href="Zither" title="Zither">zithern</a>, Flöten) stammen aus der ältesten, bis in die Steinzeit zurückreichenden Kulturschicht. Die frühesten Musikinstrumente aus Bronze sind zeitlich schwer einzuordnen. Lediglich die mit der <a href="Dong-Son-Kultur" title="Dong-Son-Kultur">Dong-Son-Kultur</a> in Südchina in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. verbreiteten, sogenannten <a href="Dong-Son-Trommel" title="Dong-Son-Trommel">Bronzetrommeln</a> lassen sich ungefähr datieren. In Indonesien kommen Bronzeobjekte in vielen Fundstätten zusammen mit Eisenwerkzeugen vor, also in einem bereits relativ fortgeschrittenen Stadium der Metallverarbeitung, aber mutmaßlich noch vor dem indischen Kultureinfluss, der sich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten bemerkbar macht.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die im <a href="Wachsausschmelzverfahren" title="Wachsausschmelzverfahren">Wachsausschmelzverfahren</a> hergestellten, chinesischen Bronzetrommeln waren die Vorbilder für javanische Gongreihen wie <i>kenong</i> und <i><a href="Bonang" title="Bonang">bonang</a></i>. Frühe Funde gegossener Bronzegongs mit einem hohen Buckel in Java waren offensichtlich nicht als Musikinstrumente geeignet, weshalb vermutet wurde, dass sie unvollendet waren und vielleicht hätten dünnwandiger ausgeschmiedet werden sollen. Jedenfalls begann nach diesen wenig erfolgreichen Versuchen, Bronzegongs zu gießen, auf Java die Entwicklung von mit der Hand geschmiedeten Bronzemusikinstrumenten.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der niederländische Naturforscher <a href="Georg_Eberhard_Rumpf" title="Georg Eberhard Rumpf">Georg Eberhard Rumpf</a> (1627–1702) erklärte die Herkunft der für die Kulturgeschichte bedeutsamen und für ihre Besitzer mit magischer Macht ausgestatteten Bronzeäxte in Indonesien so: Metallische Dämpfe würden in Wolken zu Bronzeäxten kondensieren und dann mit Blitzschlägen auf die Erde herabfallen, in Form gebracht durch den starken Wind, der stets ein Gewitter begleitet.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch wenn Rumpf 1682 als erster eine Bronzetrommel unklarer Herkunft als Geschenk zum Großherzog von <a href="Gro%C3%9Fherzogtum_Toskana" title="Großherzogtum Toskana">Toskana</a> sandte, begann ihre eigentliche Erforschung erst Ende des 19. Jahrhunderts. Die Kultur, der sie zugerechnet werden, ist nach dem Dorf Đông Sơn in Nordvietnam benannt, bei dem 1924 die ersten Bronzeobjekte in Südostasien ausgegraben wurden.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die alten indonesischen Bronzeobjekte bestehen zu rund 75 Prozent aus Kupfer und zu 25 Prozent aus Blei. Es gab nur wenige Kupferlagerstätten auf den Inseln; Bronze war daher selten, teuer und musste überwiegend importiert werden.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gussformen zur Herstellung der typischen Dong-Son-Trommeln wurden auf Java nicht gefunden.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die frühesten Funde von bronzenen Musikinstrumenten gelten zeitlich und typologisch als vor<a href="Hinduismus" title="Hinduismus">hinduistisch</a>, waren also vor dem indischen Kultureinfluss vorhanden, den vermutlich aus Südindien stammende Siedler in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten in den <a href="Malaiischer_Archipel" title="Malaiischer Archipel">Malaiischen Archipel</a> brachten. Im Verlauf des 5. Jahrhunderts ließen sich indische Einwanderer auf Java nieder. Die wohl älteste bekannte Darstellung hindu-javanischer Musikinstrumente sind kleine Bronze<a href="Glocke" title="Glocke">glocken</a> in einem Relief an einem Tempel auf dem <a href="Dieng-Plateau" title="Dieng-Plateau">Dieng-Plateau</a> vom Ende des 7. oder Anfang des 8. Jahrhunderts. Wenig später entstandene Tempel auf dem Dieng-Plateau zeigen eine breite Palette indischer und javanischer Musikinstrumente. Die ältesten Abbildungen von <i>kemanak</i> finden sich am Haupttempel des ostjavanischen <i>Candi Penataran</i> (bei <a href="Blitar" title="Blitar">Blitar</a>), der in der Mitte des 14. Jahrhunderts während des <a href="Majapahit" title="Majapahit">Majapahit</a>-Reichs entstand. Der neben dem <i>kemanak</i>-Spieler abgebildete Musiker schlägt mit einem hakenförmigen Stock in der rechten Hand einen mit der linken Hand gehaltenen kleinen Gong (<i>beri</i>). Weitere musizierende Figuren werden mit kleinen <a href="Zimbel" title="Zimbel">Zimbeln</a>, der Buckelgongreihe <i><a href="Reyong" title="Reyong">reyong</a></i>, dem Trog<a href="Xylophon" title="Xylophon">xylophon</a> <i>gambang</i> aus Bambusplatten, einer geraden Trompete (oder Kegeloboe) und einer vermutlich einfelligen, mit einem Stock geschlagenen Trommel gezeigt. Auf ostjavanischen Reliefs dieser Zeit ist ferner eine mehrsaitige Zither als Vorläufer der heutigen <i><a href="Celempung" title="Celempung">celempung</a></i> zu sehen.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die aus der Zeit des Kediri-Reiches (1042–1222) und des nachfolgenden <a href="Singhasari" title="Singhasari">Singhasari</a>-Reiches (1222–1292) in Ostjava gefundenen Bronzeobjekte, darunter <i>kemanak</i> im Distrikt <a href="Malang" title="Malang">Malang</a> sowie Bronze-<a href="Schlitztrommel" title="Schlitztrommel">Schlitztrommeln</a> und hängende Glocken, entsprechen den Abbildungen an den Tempeln. Die auf Inschriften und in der Literatur belegten Namen von Musikinstrumenten sind älter als die Reliefdarstellungen. Das Wort <i>kemanak</i> wird erstmals im ostjavanischen Lehrgedicht <i>Wretasancaya</i><sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> aus der Mitte des 12. Jahrhunderts erwähnt; des Weiteren sind bis heute etwa die Bambusröhrenzither <i><a href="Guntang" title="Guntang">guntang</a></i> (im <i>Kidung Sunda</i> kurz nach 1357 erwähnt) und die Rahmentrommel <i>terbang</i> (<i>Smaradahana</i>, 1135 datiert) namentlich bekannt.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Andere Quellen aus dem 12. bis 16. Jahrhundert, in denen kleine Ensembles mit Bronzeschlaginstrumenten zur Begleitung von Schattenspielen (<i><a href="Wayang" title="Wayang">wayang</a> kulit</i>) genannt werden, sind das <i>Baratayuda</i> (eine Bearbeitung des indischen Epos <i><a href="Mahabharata" title="Mahabharata">Mahabharata</a></i>) und das <i>Wangbang Wideya</i> (eine Erzählung aus dem javanischen Panji-Zyklus). Jaap Kunst (1960) zufolge dürfte das <i>kemanak</i> mit großer Wahrscheinlichkeit wesentlich älter sein und der Instrumententyp könnte bis in die Dong-Son-Kultur der vorchristlichen Zeit zurückgehen,<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> auch wenn hierfür keine konkreten materiellen Belege vorliegen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Zur Herstellung eines <i>kemanak</i> wird ein dickes Metallblech, dessen Fläche ein breites Oval mit einer schmalen Verlängerung als Stiel bildet, zu beiden Seiten so eingerollt, dass sich die Längskanten gegenüber stehen und lediglich ein Schlitz zwischen ihnen offen bleibt. In der Seitenansicht entsteht beim javanischen Typ, der etwa 20 Zentimeter lang ist, die Form einer Banane, die mit dem gebogenen Stiel zu einem Löffel wird. Das balinesische <i>gumanak</i> ist nur 13 Zentimeter lang und besteht aus einem geraden, zylindrisch aufgerollten Blechstreifen. Annähernd zylindrisch mit einem schräg abgehenden Stiel sind auch die im ostjavanischen Malang gefundenen Exemplare. Nach der Tonerzeugung bilden beide Varianten eine sehr kleine Schlitztrommel. <i>Kemanak</i> werden allgemein aus Bronze hergestellt, manchmal aus Kupfer, regional in Westjava aus Eisen und auf Bali aus Bronze oder Eisen.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Funktionell vergleichbare kleine Perkussionsinstrumente sind Zimbeln, die auf Java kaum vorkommen. Die javanischen <i>chiyeyek</i>, die in wenigen <i>gamelan</i> verwendet werden, sind zwei Zimbeln, von denen eine auf einem Holzgestell fixiert ist. Der Musiker hält die andere Zimbel in der Hand und schlägt sie flach von oben auf die befestigte Zimbel. Häufiger sind die balinesischen <i><a href="Ceng-ceng" title="Ceng-ceng">ceng-ceng</a></i>, die aus zwei gebuckelten Becken bestehen, die mit der Öffnung nach oben auf einem hölzernen Unterbau befestigt sind. Der Spieler schlägt sie mit ihren Gegenstücken, die er an Holzgriffen in den Händen hält. Die <i>ceng-ceng</i> werden unter anderem im beliebten <i>gamelan beleganjur</i> gebraucht. Eine Form mit mehreren kleinen Becken auf einem hölzernen Korpus heißt <i>rincik.</i>
</p><p>Einzelne Glocken (<i>genta</i>, von <a href="Sanskrit" title="Sanskrit">Sanskrit</a> <i>ghanta</i>) werden in den javanischen <i>gamelan</i> längst nicht mehr verwendet; außerhalb der höfischen Ensembles sind unterschiedliche Größen und Formen von <a href="Schelle_(Musikinstrument)" class="mw-redirect" title="Schelle (Musikinstrument)">Schellen</a> unter dem javanischen Namen <i>klintingan</i> weit verbreitet. Das Gegenstück zum europäischen <a href="Schellenbaum" title="Schellenbaum">Schellenbaum</a> ist ein Holzständer, an dem in mehreren Etagen Glöckchen aufgehängt sind. Als <i>gentorag</i> gehört der Schellenbaum zum altertümlichen Dreiton-Gamelan <i>kodok ngorek</i> auf Bali.<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>
<p>Das javanische <i>kemanak</i> war den Angaben von <a href="Jaap_Kunst" title="Jaap Kunst">Jaap Kunst</a> (1973) in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bereits relativ selten. Nur noch wenige Exemplare gab es von einem anderen kleinen Idiophon aus Bronze namens <i>cheluring</i> (<i>celuring</i>).<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dieses bestand aus einer Reihe von Bronzetassen, die auf einem Holzbrett festgenagelt sind. Ein Set mit zwei und mit sieben gestimmten Tassen ist aus <a href="Yogyakarta_(Stadt)" title="Yogyakarta (Stadt)">Yogyakarta</a> bekannt. Sie wurden im <a href="Kraton_(Palast)" title="Kraton (Palast)">Kraton</a> in einem <i>gamelan</i> mit einem Metallstab angeschlagen. Zur Zeit der hinduistischen Reiche auf Java (bis Anfang des 15. Jahrhunderts) waren die Tassen nicht auf ein Holzbrett montiert, sondern wurden von Tänzern in den Händen gehalten und paarweise gegeneinander geschlagen. In dieser Verwendung sind <i>cheluring</i> häufig in Tanzszenen auf Reliefs am buddhistischen Tempel <a href="Borobudur" title="Borobudur">Borobudur</a> (8./9. Jahrhundert) und an der hinduistischen Tempelanlage <a href="Prambanan" title="Prambanan">Prambanan</a> (9. Jahrhundert) dargestellt. Zeitgenössische Namen waren vermutlich <i>tuwung</i> und <i>churing.</i> Wie beim <i>cheluring</i> änderte sich im Verlauf der Jahrhunderte auch die Spielweise des <i>kemanak:</i> Ursprünglich gegeneinander geschlagen wurden die Klangkörper später einzeln mit einem Schlägel angeschlagen.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In Zentraljava und in der Region <a href="Sunda_(K%C3%B6nigreich)" title="Sunda (Königreich)">Sunda</a> (Westjava) werden <i>kemanak</i> paarweise von zwei Musikern gespielt. Jeder Musiker hält ein <i>kemanak</i> in der linken Hand und schlägt es mit einem am oberen Ende dick mit Stoff umwickelten, hölzernen Stock (<i>tabuh</i>), wie er auch zum Spielen des <i><a href="Bonang" title="Bonang">bonang</a></i> verwendet wird. Gleich nach dem Schlag bewegt er die Hand mit dem <i>kemanak</i> schnell nach oben und überdeckt dabei mit dem Daumen den Schlitz, wobei die Tonhöhe ansteigt. Beide <i>kemanak</i> werden üblicherweise alternierend geschlagen. Die Tonhöhen variieren stark und ebenso das Intervall zwischen den Instrumenten, das von einer verminderten <a href="Sekunde_(Musik)" title="Sekunde (Musik)">Sekunde</a> bis zu einer <a href="Quarte" title="Quarte">Quarte</a> beträgt. Auf Bali werden die kleineren <i>gumanak</i> mit Metallstäben geschlagen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Bedhaya_und_Serimpi">Bedhaya und Serimpi</h3></div>

<p><i>Kemanak</i> werden nicht zur Melodiebildung eingesetzt. Im Orchester sind <i>kemanak</i> kolotomische (interpunktierende) Rhythmusinstrumente und geben während des gesamten Musikstücks in regelmäßigem Wechsel die betonten Zählzeiten an. In den traditionellen, zentraljavanischen Herrschaftszentren Yogyakarta und <a href="Surakarta" title="Surakarta">Surakarta</a> gehören <i>kemanak</i> zum alten Begleitensemble der rituellen höfischen Tänze <i>bedhaya</i> (auch <i>bedaya, bedaja</i>) und <i>serimpi</i> (<i>srimpi</i>). Das <i>gamelan</i> für beide Tanzstile verfügt über eine beschränkte Auswahl der üblichen Instrumente und besteht lediglich aus der großen, zweifelligen Fasstrommel <i><a href="Kendang" title="Kendang">kendang</a> gending</i>, der kleineren Fasstrommel <i>ketipung</i> und als kolotomische Instrumente einen hängenden großen <i><a href="Gong_ageng" title="Gong ageng">gong ageng</a></i>, einen liegenden Kesselgong <i>kenong</i>, einen liegenden Buckelgong <i>ketuk</i> und ein Set <i>kemanak.</i> Ein Melodieinstrument (<i><a href="Rebab" title="Rebab">rebab</a></i> oder <i><a href="Suling" title="Suling">suling</a></i>) fehlt. Die Melodie wird ausschließlich von einem Chor beigesteuert, der früher aus etwa sechs Frauen bestand und sich heute auch aus Männern zusammensetzt. Die beiden <i>kemanak</i> haben nur die Funktion, die Zeiteinheiten zu unterteilen, ihre Tonhöhen sind nicht mit der Stimmung der übrigen Instrumente abgeglichen.
</p><p><i>Bedhaya</i> gehört zu den ältesten javanischen Tanzstilen, über die jedoch erst seit dem 16. Jahrhundert brauchbare Quellen existieren;<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> er wird im Fürstenhof von Yogyakarta und seit dessen Erlaubnis 1918 auch außerhalb in der Stadt aufgeführt. Dagegen beharrt der Kraton von Surakarta auf dem alleinigen Aufführungsrecht, weshalb viele der dortigen Tanzstile seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vom Aussterben bedroht sind und kaum noch dargeboten werden. Es gibt unterschiedliche Lieder für den <i>bedhaya</i>-Stil. Die heiligste Tanzmelodie ist der <i>Bedhaya Ketawang</i>. Nach der Legende offenbarte vor langer Zeit Kanjeng Ratu Kidul, genannt Ratu Laut Selatan („Königin der Südsee“) mit diesem Lied und diesem Tanz ihre Gefühle und Zuneigung gegenüber Sultan Agung („Großer Sultan“), gemeint ist der von 1613 bis 1645 regierende Herrscher des islamischen Sultanats von Mataram, in dessen Zeit der Tanz entstand. Der Begründer des Sultanats von Mataram, Sutawijaya (auch Panembahan Senopati, reg. 1587–1601) soll sich öfters zur Meditation ans Meeresufer des <i>Seganten Kidul</i> (javanisch „Südlicher Ozean“) begeben haben, um dort Inspirationen von der Meeresgöttin zu empfangen. Eines Tages besuchte er sie in ihrem Palast auf dem Grund des Meeres und sie verliebte sich in ihn und tanzte vor ihm. Aus dieser Geschichte ersann Sultan Agung, ein Nachkomme von Sutawijaya, den <i>Bedhaya Ketawang</i>. Wegen der Verbindung mit der gefürchteten Südseegöttin wurde früher über den Tanz außerhalb des Palastes kaum gesprochen, er durfte nur an besonderen Jahrestagen aufgeführt werden und die Tänzerinnen – in der sakralsten Aufführung mussten es genau neun sein – gehörten entweder zur Fürstenfamilie oder waren anderweitig sorgfältig ausgewählt. <i>Bedhaya</i>-Tänze galten als sakral und zugleich als Zeichen der Herrschermacht. Falls im Zusammenhang mit der Aufführung rituelle Gebote verletzt würden, befürchtete man schlimme Strafen.
</p><p>Eine <i>bedhaya</i>-Darbietung erhält ihren Reiz durch die harmonische Beziehung zwischen den ruhigen, eleganten Tanzbewegungen, die keine Geschichte erzählen, den langgedehnten, freirhythmischen Melodien des Chores und den punktierenden Schlaginstrumenten. Der charakteristische, glockenartige Klang des <i>kemanak</i> kennzeichnet das hohe Alter des Stils. Da es im Unterschied zu den modernen Versionen von <i>bedhaya</i> und <i>serimpi</i> (sowie <i><a href="Wayang" title="Wayang">wayang</a></i>-Aufführungen) beim <i>Bedhaya Ketawang</i> keinen Taktgeber <i>keprak</i> (Holzkasten-<a href="Schlitztrommel" title="Schlitztrommel">Schlitztrommel</a> entsprechend dem Zimbelpaar an einem Holzkasten <i>kecrek</i>) gibt, orientieren sich die Tänzerinnen an <i>gong agung, kemanak</i> und <i>kendang</i>.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Der <i>serimpi</i>-Tanzstil (auch <i>srimpi</i>) gehört wie der <i>bedhaya</i> zu einer gepflegten (<i>alus</i>), höfischen Tradition, die als kulturelles Ideal gilt. Er war früher ebenfalls im Alleinbesitz der Fürstenhäuser und verfügt über eine entsprechende rituelle Bedeutung. Für beide Stile gibt es viele Stücke und jederzeit können neue Melodien komponiert und Tänze choreografiert werden. Bekannte <i>serimpi</i>-Tänze sind <i>Serimpi Pandelori</i> und <i>Serimpi Hadiwulangu</i>. Tanzbewegungen, Instrumentalbegleitung und Chor sind beim <i>bedhaya</i> und <i>serimpi</i> stilistisch ähnlich. Anstatt neun treten beim <i>serimpi</i> üblicherweise nur vier Tänzerinnen auf. Diese agieren ausdrucksstärker als beim <i>bedhaya</i> und stellen eine Spielhandlung dar, in der jeweils zwei Tänzerinnen in parallelen Bewegungen eine Figur verkörpern.<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Körperbewegungen sind stilisiert, auch Kampfszenen müssen mit kontrolliert-langsamen Bewegungen und einem „edlen“, starren Gesichtsausdruck dargeboten werden.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Beim <i>Serimpi Anglir Mendung</i> werden die beiden <i>kemanak</i> nach Ernst Heins (1967) während des gesamten Stücks mit gleichbleibendem Tempo alternierend nach dem Muster geschlagen: [1]&nbsp;2&nbsp;1&nbsp;2&nbsp;– [1]&nbsp;2&nbsp;1&nbsp;2&nbsp;– [1]&nbsp;2&nbsp;1&nbsp;2&nbsp;– [1]&nbsp;2&nbsp;1&nbsp;2&nbsp;– [1]&nbsp;2&nbsp;1&nbsp;2 … . Die Schläge [1] werden stumm ausgeführt oder bleiben unhörbar, denn sie fallen mit den Schlägen der anderen kolotomischen Instrumente zusammen, aufeinander folgend: <i>gong ageng</i> und <i>kenong – ketuk – wela – ketuk – kenong</i>. Hierbei ist <i>wela</i> der Name des Taktschlags, bei dem ein <i>kemanak</i> auch auf [1] hörbar ist.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Gambuh">Gambuh</h3></div>

<p>Das <i>gambuh</i> gilt als die älteste Form des balinesischen Tanzdramas, in welchem vorislamische Formen bewahrt werden, die mit den Kultureinflüssen des ostjavanischen Reiches Majapahit im 15. und 16. Jahrhundert nach Bali kamen. Mit dem <i>gambuh</i> gelangten Erzählhandlungen (vor allem die Legende des javanischen Prinzen Panji) und die enge Interaktion zwischen Tanzbewegungen und Musik in die balinesischen Tanzstile. Das begleitende <i>gamelan gambuh</i> (oder<i> pagambuhan</i>) geht unmittelbar auf die ältesten höfischen Musikstile Javas zurück, wie sie in der alt<a href="Javanische_Sprache" title="Javanische Sprache">javanischen</a> Literatur (9. bis 13. Jahrhundert) belegt sind. Namensgebend für das Ensemble war die lange, tief tönende Längsflöte <i><a href="Suling" title="Suling">suling</a> gambuh</i>. Zwei bis vier dieser Flöten werden mit Zirkularatmung unisono als Melodieinstrumente gespielt. Ebenfalls unisono mit den Flöten spielt eine Stachelgeige <i><a href="Rebab" title="Rebab">rebab</a></i>. Auf den früher im <i>gamelan gambuh</i> üblichen Männerchor wird heute verzichtet. Das führende Rhythmusinstrument ist die Fasstrommel <i><a href="Kendang" title="Kendang">kendang</a> lanang</i>, deren Spieler als Dirigent für Musiker und Tänzer fungiert. Die <i>kendang lanang</i> gibt das Tempo und die Wechsel der Dynamik vor und spielt mit der zweiten Trommel, der <i>kendang wadon</i>, ein verzahntes rhythmisches Muster. Die weiteren kolotomischen Instrumente sind zwei <i>rincik</i> (<i>ricik</i>, auch <i>ceng-ceng</i>, Handzimbeln), <i>kajar</i> (liegender Gong), <i>gentorag</i> (Schellenbaum), zwei <i>kangsi</i> (<a href="Gabelbecken" title="Gabelbecken">Gabelbecken</a>) und zwei <i>gumanak.</i> Das Ende einer musikalischen Phrase wird vom hängenden Gong <i>kempur</i> markiert.<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das <i>gamelan gambuh</i> begleitet dieselben Erzählungen, wenn sie – was gegenwärtig nicht mehr der Fall ist<sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> – als Schattenspiel (<i>wayang gambuh</i>) aufgeführt werden.
</p><p>Die Rhythmusinstrumente des <i>gamelan gambuh</i> sind insgesamt kleiner und weniger zahlreich als beim aus rund 40 Schlaginstrumenten bestehenden, großen <i><a href="Gamelan_Gong_Kebyar" title="Gamelan Gong Kebyar">gamelan gong kebyar</a></i>. Das Sieben-Ton-Gamelan (<i><a href="Pelog" class="mw-redirect" title="Pelog">pelog</a></i>) <i>gamelan gambuh</i> produziert die komplexeste musikalische Form aller balinesischen Ensembles. Es ist damit schwierig zu erlernen und wird nur noch selten aufgeführt, obwohl es den Ausgangspunkt für die meisten balinesischen Musikstile darstellt.<sup id="cite_ref-23" class="reference"><a href="#cite_note-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Verbreitungstheorien">Verbreitungstheorien</h2></div>
<p>Das <i>kemanak</i> spielte bei Vertretern des <a href="Diffusionismus" title="Diffusionismus">Diffusionismus</a> eine Rolle, einer bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts diskutierten Theorie, wonach weit zurückliegende Wanderungsbewegungen von Völkern für die Ähnlichkeit kultureller Phänomene in verschiedenen Regionen weltweit verantwortlich sein sollen. Auf Südostasien bezogen stellten die heute im Wesentlichen als überholt geltenden Theorien von <a href="Robert_Heine-Geldern" class="mw-redirect" title="Robert Heine-Geldern">Robert Heine-Geldern</a> eine Grundlage innerhalb der <a href="Kulturkreis" title="Kulturkreis">Kulturkreislehre</a> für Überlegungen zur Verbreitung von Musikinstrumenten und Tonskalen dar, auf die sich neben anderen auch <a href="Jaap_Kunst" title="Jaap Kunst">Jaap Kunst</a> berief. Heine-Geldern (1951)<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> postulierte etwa eine „<a href="Pontos_(Region)" title="Pontos (Region)">pontische</a> Wanderung“ spätestens im 9. Jahrhundert v. Chr. von Völkern aus dem Balkan und der kleinasiatischen Schwarzmeerregion nach Südostasien. Diese Theorie sollte nach Jaap Kunst auch erklären, weshalb auf dem Balkan aus Getreidehalmen gefertigte, idiochorde Röhrenzithern als Kinderspielzeuge vorkommen, die instrumentenkundlich südostasiatischen Bambusröhrenzithern wie der <i><a href="Guntang" title="Guntang">guntang</a></i> auf Bali und der <i><a href="Kolitong" title="Kolitong">kolitong</a></i> im Norden der Philippinen entsprechen.<sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ebenso wollte Jaap Kunst den zweistimmigen Gesang im Osten der Insel <a href="Flores_(Indonesien)" title="Flores (Indonesien)">Flores</a> mit der <a href="Iso-Polyphonie" title="Iso-Polyphonie">Iso-Polyphonie</a> auf dem Balkan verknüpft wissen.<sup id="cite_ref-26" class="reference"><a href="#cite_note-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Vor diesem Hintergrund ist Jaap Kunsts Beitrag <i>The Origin of the Kemanak</i> (1960) zu sehen, in welchem er das bananenförmige Idiophon, dessen spezifische Form zweifellos keiner akustischen Notwendigkeit verpflichtet sei, mit einem ähnlich gebogenen, ebenfalls paarweise gespielten Instrument der zentralafrikanischen <a href="Fang_(Ethnie)" title="Fang (Ethnie)">Fang</a> in Beziehung stellte. Der Vergleich mit derselben Spielweise von zwei Exemplaren einer bananenförmigen, hölzernen Schlitztrommel (<i>kende</i>) der westafrikanischen <a href="Kissi_(Volk)" title="Kissi (Volk)">Kissi</a> basiert auf einer Beschreibung von <a href="Andr%C3%A9_Schaeffner" title="André Schaeffner">André Schaeffner</a> (1951).<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Schaeffner fand eine von Kindern gespielte Variante dieses Instruments aus Bambus, die ein einfacherer Vorläufer des Holzidiophons sein könnte und deren Material einen weiteren Verweis auf die zahlreichen südostasiatischen Schlaginstrumente aus Bambus ermöglichte.
</p><p>Neben Jaap Kunst stellten <a href="Hugh_Tracey" title="Hugh Tracey">Hugh Tracey</a> (1903–1977), Heinrich Husmann (1908–1983) und andere zahlreiche Parallelen zwischen indonesischen und afrikanischen Musikinstrumenten fest. Die ideologischen Grundlagen für die Annahme eines umfassenden Kulturtransfers von außerhalb des Kontinents nach Afrika (und zur Rechtfertigung des europäischen Kolonialismus) schuf wesentlich <a href="Henry_Hamilton_Johnston" title="Henry Hamilton Johnston">Henry Hamilton Johnston</a> (1899),<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> der erklärte, neben den Haustieren seien Trommeln und alle sonstigen, auf höherer Stufe als der <a href="Musikbogen" title="Musikbogen">Musikbogen</a> stehenden Musikinstrumente aus Ägypten nach Afrika gekommen.<sup id="cite_ref-29" class="reference"><a href="#cite_note-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Musikethnologen konzentrierten sich auf den Kulturimport von Indonesien, der auf dem Seeweg Afrika erreichte. <a href="Erich_Moritz_von_Hornbostel" title="Erich Moritz von Hornbostel">Erich Moritz von Hornbostel</a> (1911)<sup id="cite_ref-30" class="reference"><a href="#cite_note-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> kümmerte sich als erster speziell um den musikalischen Anteil des indonesischen Kultureinflusses auf Afrika. Ein solcher Einfluss wird heute lediglich für <a href="Madagaskar" title="Madagaskar">Madagaskar</a> als gesichert vorausgesetzt, wo als bekanntes Beispiel des Kulturtransfers die Bambusröhrenzither <i><a href="Valiha" title="Valiha">valiha</a></i> vorkommt.
</p><p>Während es den frühen Forschungen an Detailkenntnis zu afrikanischen Musikinstrumenten mangelte, konnte <a href="Arthur_Morris_Jones" title="Arthur Morris Jones">Arthur Morris Jones</a> (1964)<sup id="cite_ref-31" class="reference"><a href="#cite_note-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> entsprechende Vergleiche von Instrumenten und Tonsystemen auf eine breitere Materialbasis stellen. Die javanischen Tonleitern <i>pelog</i> und <i><a href="Slendro" title="Slendro">slendro</a></i> sollen demnach nach Afrika gebracht worden sein, eine Theorie, für die <a href="Fritz_Bose" title="Fritz Bose">Fritz Bose</a> nach Abwägung gewisser Abweichungen der Tonstufen Verständnis zeigt.<sup id="cite_ref-32" class="reference"><a href="#cite_note-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Hornbostel postulierte im Rahmen seiner Kulturkreislehre eine indonesische Herkunft der afrikanischen klöppellosen Glocken. Jones wiederholt nun die Vergleiche westafrikanischer und südostasiatischer Bambusschlaginstrumente und beschreibt die in Westafrika weit verbreitete, klöppellose Doppelhandglocke vom Typ der <i><a href="Gankogui" title="Gankogui">gankogui</a></i>, die er zum <i>kemanak</i> in Beziehung setzt. Beide haben jedoch in ihrer Form kaum etwas gemein, wie Roger Blench (1982) bemerkt.<sup id="cite_ref-33" class="reference"><a href="#cite_note-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>

<p>Tatsächlich dem <i>kemanak</i> ähnlicher ist das von Jones erwähnte Schlaginstrument aus geschmiedetem Eisen <i><a href="Atoke" title="Atoke">atoke</a></i> (auch <i>toke</i>) in <a href="Ghana" title="Ghana">Ghana</a>, das aus einem aufgebogenen Kreissegment besteht, wie eine aufgehende Blüte aussieht und in der Handfläche gehalten wird.<sup id="cite_ref-34" class="reference"><a href="#cite_note-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das <i>atoke</i> bringt mit einem Eisenstab angeschlagen wie die <i>gankogui</i> eine bestimmte Tonhöhe hervor und wird paarweise gespielt. Jones übernimmt für die Gleichsetzung <i>atoke – kemanak</i> Jaap Kunsts Beschreibung.<sup id="cite_ref-35" class="reference"><a href="#cite_note-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Was Jones für eine in mehreren Regionen Afrikas verbreitete, „sehr spezialisierte Form einer Metallglocke derselben Gestalt“ wie das <i>kemanak</i> hält, ist für Roger Blench hingegen nur auf ein kleines Gebiet in Afrika beschränkt und von sehr allgemeiner Ähnlichkeit.<sup id="cite_ref-36" class="reference"><a href="#cite_note-36"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die in diesen Zusammenhang gestellte sprachliche Herleitung der Kissi-Schlitztrommel <i>kende</i> von javanisch <i>genta</i> („Glocke“)<sup id="cite_ref-37" class="reference"><a href="#cite_note-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> erscheint ebenfalls bemüht.
</p><p>Jaap Kunst verließ sich bei seiner Suche nach dem Ursprung des <i>kemanak</i> auf die Veröffentlichungen des französischen Prähistorikers und Priesters <a href="Henri_Breuil" title="Henri Breuil">Henri Breuil</a> (1877–1961), der im <a href="Brandbergmassiv" title="Brandbergmassiv">Brandbergmassiv</a> in Namibia prähistorische Felsmalereien untersuchte und eine „<a href="Wei%C3%9Fe_Dame" title="Weiße Dame">Weiße Dame</a>“ genannte Zeichnung – nach heutigem Kenntnisstand fälschlich – als Göttin oder Priesterin interpretierte. Breuil glaubte anhand der Kleidung und Körperhaltung der Figur einen Zusammenhang mit altmediterranen Darstellungen im Palast von <a href="Knossos" title="Knossos">Knossos</a> auf Kreta aus dem 3./2. Jahrtausend v. Chr. zu erkennen. Vertreter dieser frühen Kultur des Mittelmeerraums sollen Breuil zufolge über Ostafrika bis nach Namibia vorgedrungen sein. In der Umgebung der von Breuil zwischen 1600 und 1200 v. Chr. datierten „Weißen Dame“ sind weitere Figuren abgebildet, die nach heutiger Deutung zu einer Jagdszene gehören. Jaap Kunst meinte, in der Hand eines dieser um die „Weiße Dame“ versammelten „Jugendlichen“ zweifelsfrei zwei <i>kemanak</i> zu erkennen. Damit waren für ihn Herkunft und Verbreitung des <i>kemanak</i> klar: vom prähistorischen Mittelmeerraum nach Westafrika, nach Südafrika und bis nach Südostasien.<sup id="cite_ref-38" class="reference"><a href="#cite_note-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
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<li><a href="Jaap_Kunst" title="Jaap Kunst">Jaap Kunst</a>: <i>The Origin of the Kemanak</i>. (PDF) In: <i>Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde</i>, 116, Nr. 2, Leiden 1960, S. 263–269, <a href="https://doi.org/10.1163/22134379-90002215" class="extiw external" title="doi:10.1163/22134379-90002215">doi:10.1163/22134379-90002215</a></li>
<li>Jaap Kunst: <i>Music in Java. Its History, its Theory and its Technique.</i> 3. Auflage herausgegeben von Ernst L. Heins. 2 Bände. Martinus Nijhoff, Den Haag 1973 (mehrere Korrekturen, Ergänzungen in Klammern und im Anhang, ansonsten Text der zweiten Auflage von 1949)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
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<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://digitalcollections.lib.washington.edu/cdm/ref/collection/ethnomusic/id/352"><i>Gumanak 2</i>.</a> Digital Collections, University of Washington (Abbildung balinesisches <i>gumanak</i>)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://edwardherbst.net/wp-content/uploads/2016/07/Kangsi-and-Gumanak.jpg"><i>Kangsi and gumanak in the gamelan gambuh of Puri Tabanan.</i></a> Gabelbecken <i>kangsi</i> vorne rechts und <i>kemanak</i> Mitte hinten in einem <i>gamelan gambuh.</i> Foto von <a href="Colin_McPhee" title="Colin McPhee">Colin McPhee</a> 1931–1938 in <a href="Tabanan_(Regierungsbezirk)" title="Tabanan (Regierungsbezirk)">Tabanan</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
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<li id="cite_note-33"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-33">↑</a></span> <span class="reference-text">Roger Blench: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://journal.ru.ac.za/index.php/africanmusic/article/view/1118"><i>Evidence for the Indonesian origins of certain elements of African culture: A review, with special reference to the arguments of A. M. Jones.</i></a> In: <i>African Music</i>, Band 6, Nr. 2, International Library of African Music, 1982, S. 81–93, hier S. 89</span>
</li>
<li id="cite_note-34"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-34">↑</a></span> <span class="reference-text"><style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */


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</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20120512220823/http://www.motherlandmusic.com/bells-gongs/toke.htm"><i>Toke (aka Atoke)</i>.</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 12. Mai 2012 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) Motherland Music</span>
</li>
<li id="cite_note-35"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-35">↑</a></span> <span class="reference-text">„Exactly the same curious instrument [wie atoke] is found in Java, where it is called the Kemanak.“ In: Arthur Morris Jones, 1964, S. 158</span>
</li>
<li id="cite_note-36"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-36">↑</a></span> <span class="reference-text">Roger Blench, 1982, S. 86</span>
</li>
<li id="cite_note-37"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-37">↑</a></span> <span class="reference-text">Arthur Morris Jones, 1964, S. 160</span>
</li>
<li id="cite_note-38"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-38">↑</a></span> <span class="reference-text">Jaap Kunst, 1960, S. 269</span>
</li>
</ol></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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